Start der Onlinewahlen!

Gestern seit 14 Uhr ist es so weit, die Wahlen zur studentischen Selbstverwaltung sind gestartet, in diesem Jahr erstmalig komplett als Onlinewahl.

Wählen könnt ihr mit eurem URZ-Login unter diesem Link, eine ausführliche Vorstellung unter anderem unserer Kandidierenden findet ihr hier.

Ihr wollt nochmal persönlich mit uns quatschen?
Dann kommt vorbei, entweder zu unseren Wahlkampfständen in der kommenden Woche (Dienstag, Donnerstag) von 11:30-15:00 am Campus oder ihr kommt nächste Woche Mittwoch zur Soli-KüFa in die Insel.
Wir freuen uns auf Euch!

#elliwählen
#univonunten

Elli stellt sich vor

Wer sind wir?
Die emanzipatorische linke Liste der FSU-Jena ist ein lockerer Zusammenschluss motivierter Menschen die nicht bereit sind, eine Hochschulpolitik mitzutragen, die an der Studierendenschaft vorbei praktiziert wird. Im Gegenteil ist es unser wesentliches Anliegen die Hochschule, sowie das alltäglich gelebte Studieren vermehrt zu Räumen politischer Auseinandersetzung zu machen, so dass die Bedürfnisse und Interessen der heterogenen Studierendenschaft berücksichtigt werden.

Was wollen wir?

1) Ein bedürfnisorientiertes und selbstbestimmteres Studieren und Leben an der Uni!

  • Den Kampf mit Dozierenden, Prüfungsamt und Fristen kennt jede*r. Um die Studienbedingungen zu verbessern, werden wir uns für eine studierendenfreundlichere Gestaltung der Prüfungsordnungen einsetzen: bedingungslose Drittversuche, jederzeitige Prüfungsan- und abmeldung und die Abschaffung der Zwangsexmatrikulation. Zudem wollen wir daran erinnern, dass die Regelstudienzeit laut Bologna ein Versprechen und keine Pflicht ist. Auch für die faktische Abschaffung der Anwesenheitspflicht werden wir uns im Sinne des Thüringer Hochschulgesetzes konsequent einsetzen.
  • Außerdem möchten wir selbstbestimmtere Lernmöglichkeiten und freiere Gestaltungsmöglichkeiten der Lehrinhalte fördern, um Bulimie-Lernen zu verhindern.
  • Um dies zu ermöglichen setzen wir uns für eine universitäre Praxis ein, in der Studierende nicht der täglichen Bürokratie und Repression der Prüfungsämter unterliegen. Konkret bedeutet das verpflichtenden Fristen, von Hausarbeiten bis zur „Regelstudienzeit“ den Kampf anzusagen. Dabei folgen wir dem Langzeitziel den Einfluss von Prüfungsämtern auf die studentische Realtiäten, sowie universitäre Bürokratie dort abzubauen, wo sie das Studieren unnötig erschwert.
  • Darüber hinaus stellen wir uns die Uni als einen Ort vor, an dem wir gerne leben und lernen. Deshalb ist es ein weiteres Ziel die selbstverwalteten Räume auszuweiten, die nach den Interessen der Studierendenschaft genutzt, gestaltet und geöffnet sind.

2) Studieren auf Augenhöhe – Schluss mit unnötigen Hierarchien!

  • Der Erfolg des Studiums steht und fällt in zu vielen Fällen mit dem Wohlwollen unantastbarer Professor*innen. Um diese Willkür zu überwinden, kritisieren wir das überholte Lehrstuhl-Prinzip zugunsten freierer Strukturen, in denen die Macht (und Verantwortung) sich nicht länger auf Einzelpersonen konzentriert, so dass Forschung und Lehre unabhängiger stattfinden kann.

3) Für eine Stärkung studentischer Gremien!

  • Die Arbeit im Studierendenrat gestaltet sich seit einiger Zeit zunehmend schwierig. Gewisse Teile des Studierendenrates versuchen aktiv das wichtige Wirken der Arbeitskreise und Referate zu erschweren und sogar zu blockieren. So standen das Gleichstellungsreferat, der Arbeitskreis für politische Bildung oder das Referat gegen gruppenbezogene Menschenschenfeindlichkeit schon mehrmals kurz vor der Abschaffung, wodurch wichtige hochschulpolitische Arbeit deutlich erschwert würde. Erst durch das Bestehenbleiben und die Stärkung studentischer Gremien ist die Mitbestimmung der Studierendenschaft gewährleistet, da diese erst langfristige, themenbezogene politische Arbeit ermöglichen.

4) Für mehr Gleichstellung, Diversität und Barrierefreiheit!

  • Im Studierendrat werden wir uns für die Bedürfnisse aller Studierenden einsetzen, was die Gleichstellung aller Geschlechter an der Universität einschließt. Deshalb wollen wir die Rechte von LGBTIQ*-Menschen stärken und ein Bewusstsein für individuelle und strukturelle Diskriminierung im universitären Umfeld schaffen. Im Konkreten bedeutet dies zum Beispiel mehr (und vor allem geöffnete!) all-gender-Toiletten an der Uni zu schaffen und Trans*menschen endlich Namens- und Geschlechtseintragsänderung ihrer Immatrikulationsunterlagen zu ermöglichen. Außerdem werden wir uns für eine höhere geschlechtliche Diversität in personellen Belangen und Forschung einsetzen, da diese die Diversität der Studierenschaft repräsentiert. Mackertum und Sexismus haben an unserer Universität keinen Platz!
  • Besonderes Augenmerk soll in unserem Verständnis auch den Interessen von studierenden Eltern, Alleinerziehenden, sowie Menschen mit Behinderungen gelten. Solidarität soll nicht nur eine Phrase bleiben, sondern zu gelebeten Praxis werden. Eine barrierefreie Uni in allen Belangen bleibt unser Ziel!

5) Für eine antifaschistische Uni!

  • Im Angesicht der gesellschaftlichen Entwicklung stehen wir solidarisch mit allen progressiven Kräften im Kampf gegen rechts. AfD, rechte Burschis, Professor*innen und Co. haben an der Uni nichts zu suchen. Wir stehen für einen gelebten Antifaschismus und eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung!

6) Gegen einen Ausverkauf der Uni!

  • Wir verstehen die Universität als einen Ort der kritischen Wissenschaft und Erkenntnisgewinnung. Ein Ausverkauf der Forschungs- und Lehrmittel, bzw. der marktorientierten Auswahl von Forschung stehen wir betont kritisch gegenüber! Die meist verkürzte ökonomische Logik darf nicht Bedingung für zukünftige Forschung sein. Die Verpflichtung zum Erwerb von Drittmitteln behindert das unabhängige Forschen, übt auf destruktive Weise Druck aus und mündet in einem Konkurrenzkampf zwischen Forschenden. Wir wollen kritische Wissenschaft stärken und zugleich entschieden gegen Rüstungs- und Militärforschung auftreten: die Zivilklausel soll konsequent umgesetzt werden.
  • Das kritische und unabhängige Lernen im Studium darf nicht hinter dem Gedanken der wirtschaftlichen Verwertbarkeit des Erlernten zurückstehen! In unserem Verstädnis verneint das jenes wissenschaftliche Lehren und Lernen, das Studieren auf die Anhäufung von Humankapital reduziert.
  • Unser Ziel ist eine soziale Universität, an der Forschung und Forschende, aber auch Lehre und Lernende in einem solidarischen Miteinander stehen!

Wie wollen wir diese Ziele erreichen? 

Universitäre Strukturen verändern sich nicht einfach von Heute auf Morgen, hochschulpolitische Arbeit erfordert im Gegenteil viel Energie, Zeit und Geduld. Deshalb können wir diese Ziele auch nicht alleine, sondern nur mit einer breiten Unterstüzung durch euch, die Studierendenschaft umsetzen. Eure Stimmen entscheiden dabei nicht nur über die Zusammensetzung der studentischen Gremien, sondern auch über die Effektivität der allgemeinen politischen Arbeit!
Grade größere Ziele lassen sich nur mit einer breiten Unterstüzung umsetzen, die über eine einfache Stimmagabe hinaus geht. Deshalb können die Gremienwahlen nur als Anfang einer politischen Praxis gesehen werden, die euer Interesse für unsere Themen und euren Willen zur Veränderung bekunden. Alles weitere entscheidet ihr im Laufe eures Studiums mit…
So entsteht die wirkliche Veränderung doch erst im universitären Miteinander – nicht durch ELLI, sondern uns ALLE – denn der Alltag bleibt politisch!

massive Pannen des Wahlvorstandes in der Kandidierendenvorstellung

Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, um noch ein paar Worte zum Verlauf
des Wahlkampfes bzw. der Wahlvorstellungen zu verlieren. In den letzten
Tagen gab es massive Pannen in der Veröffentlichung der Vorstellungen.
Auch längere Zeit nach der Freischaltung wurden die eingepflegten
Übersetzungen der Kandidierenden auf englisch nicht angezeigt,
stattdessen bekam man auch auf der englischen Seite deutsche Texte zu
lesen.
Auch der Upload der Fotos gestaltete sich problematisch. So hatten
einige Kandidierende trotz mehrmaligem Versuch des Uploads immer noch
kein Foto in ihrer Vorstellung. Erst nach Nachfragen beim WV wurden
diese Probleme behoben.
Ein viel gravierenderes Problem sehen wir allerdings in der Praxis, mit
welcher die Texte der Printausgabe angefordert werden. Der Wahlvorstand
hat es versäumt, im Vorhinein eine realistische Einschätzung dea in den
Wahlbeilagen verfügbaren Kontingents vorzunehmen und hat infolgedessen
auch keine Zeichenbeschränkung angegeben. Außerdem wurde in Unkenntnis
der DSGVO eine fehlerhafte Datenschutzerklärung angefordert.
Aufgrund dieser Fehler wurden alle Kandidierenden aufgefordert, ihre
Unterlagen für die Wahlbeilage erneut einzusenden. Hierfür wurden den
Kandierenden ca. 22 Stunden Zeit gelassen, ohne eine Rückmeldung
innerhalb dieses Zeitraumes ist die Veröffentlichung in der für den
Wahlkampf elementaren Wahlbeilage nicht möglich. Wir halten dieses
Vorgehen für skandalös, da durch diese sehr kurzfristige
Verfahrensänderung nicht allen Kandidierenden (unterwegs, im Urlaub,
kein Internet, …) die Möglichkeit gegeben wurde, an dieser Vorstellung
teilzuhaben und dadurch möglicherweise eine Verzerrung der Wahlen
stattfinden wird.

English introduction

Who are we?
The Emanzipatorische linke Liste of FSU-Jena is a loose coalition of motivated people who are unwilling to support the ongoing academic policys which omitt the student body. On the contrary it is our main concern to bring the political debate back to the university, as well as the everyday studylife, so that the needs and interests of the heterogeneous student body are taken into account.
What do we want?
1) study and life at the university, that is needs-oriented and self-determined!

  • Everybody knows the fight with lecturers, the examination office and deadlines. In order to improve the study conditions, we will work for a student-friendly design of the examination regulations: unconditional third attempt on tests, examina registration and deregistration at any time and the abolition of compulsory ex-matriculation. We would also like to remind you that the standard period of study according to Bologna is a promise and not an obligation. For the de facto abolition of compulsory attendance, we will also be consistent in the sense of the Thuringian Higher Education Act.
  • We also want to promote more self-determined learning opportunities and freer educational content to prevent bulimia-learning.
  • To make this possible, we are committed to an university practice in which students are not subject to the daily bureaucracy and repression of the examination offices. In doing so, we follow the long-term goal of reducing the influence of examination offices to student realities and reducing university bureaucracy where it makes studying unnecessarily difficult.
  • In addition, we imagine the university as a place where we like to live and learn. Therefore, it is another goal to expand the self-governing spaces that are used, designed and opened according to the interests of the student body.

2) Studying at eye level – no unnecessary hierarchies!

  • The success of your universitydegree stands and falls in with the goodwill of unassailable professors. To overcome this arbitrariness, we criticize the obsolete chair principle and call for a change to for freer structures, in which power (and responsibility) no longer focuses on single individuals, but is spread among serveral persons. So that research and teaching can take place more independently in the future.

3)Empower the student body comittees!

  • For some time, the work in the student council has become increasingly difficult. Certain parts of the student council actively try to impede and even block the important work of the task forces and departments. For example, the Equality-department (Gleichstellungsreferat), the department for academia-policy (Referat für Hochschulpolitik) or the departement against grouprelated peoplehostility (Referat gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit) have been on the verge of being abolished several times, which would make important politicial work much more difficult.

4) For more equality, diversity and accessibility!

  • In the Student Council, we care for the needs of all students, including the equality of all genders at the university. Therefore, we want to strengthen the rights of LGBTIQ*-people and boost awareness of individual and structural discrimination in the academic environment. Specifically this means, for example, creating more (and especially open!) All-gender toilets at the university and finally allowing transgendered people, to get their name and gender changed on their enrollment documents. In addition, we support a greater gender diversity in human resources and research, as this represents the diversity of the student body and our society. Machos and sexism have no place at our university!
  • In our understanding special attention should also be paid to the interests of studying parents, single parents and people with disabilities. Solidarity should not just remain a phrase, but become a regular practice. A barrier-free university in all respects remains our goal!

5) For an anti-fascist university!

  • In the face of social development, we stand in solidarity with all progressive forces in the fight against the (far)right. AfD, fraternity boys, professors and such have no business at the university. We represent practiced antifascism and a society without exclusion!

6) Against a sell-out of university!

  • We understand the university as a place of critical science and insight. We’re seeing the sale of the research and teaching materials, or the market-oriented selection of research very critical! The (heavily abbreviated) economic logic must not be a condition for future research. The obligation to obtain third-party funding hinders independent research, destructively exerts pressure and leads to an unwilling competition between researchers. We want to empower critical science and at the same time act decisively against arms- and militaryresearch: the civil clause should be implemented consistently.

Our goal is a social university, where research and researchers, as well as teaching and learners can be in solidarity with each other in favour for everyone!
How do we want to achieve these goals?
University structures do not just change from one day to the next. To change academic policys requires a lot of energy, time and patience instead. Therefore, we can not implement these goals alone, but only with a broad support from you, the student body. Your votes do not only decide on the composition of the student comittees, but also on the effectiveness of the general political work at this uni!
Greater goals can only be achieved with a broad support that goes beyond the act of voting. Therefore, the committee elections can only be seen as the beginning of a political practice which expresses your interest in our subjects, but also and more importantly: your will to change.
Because the real change is formed by your actions in university life – not by ELLI, but ALL of us – because daily life remains political!

Pippis und unsere Kolonialgeschichte

Die Geschichte von Pippi Langstrumpf hat viele von uns durch ihre Kindheit begleitet. Hängen geblieben ist das Bild eines Mädchens, das keine Autorität anerkennt, nicht zur Schule geht und allein ohne Eltern lebt. Hängen geblieben ist das Bild eines Mädchens, dass super stark ist, den eigenen Wünschen nachgeht und frech gegen die eingefahrenen Lebensformen rebelliert.

Später kam die Erkenntnis, dass die Geschichte von Pippi nicht nur ein Sinnbild für das kindliche anarchische Auflehnen gegen alle Regeln und Vorschriften ist. In der Geschichte selbst wird bestehendes Unrecht reproduziert und glorifiziert. Abwertende und Diskriminierende Worte werden benutzt. Die kritische Auseinandersetzung mit den Geschichten, mit denen wir in unserer Kindheit groß geworden sind, stimmt uns nachdenklich. Der Gedanke liegt nahe Geschichten wie die von Pippi Langstrumpf auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen. Andererseits waren die anarchischen und eigensinnigen Züge der Hauptfigur auch Vorbild für uns und eine wichtige kulturelle Ressource.

Inzwischen haben wir die unbequeme Wahrheit erkannt, dass Rassismus, Sexismus und Kapitalismus keine abstrakten Dinge sind, gegenüber denen man einfach erklären kann, dass man dagegen ist. Es sind gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse, die Überall ihre Male hinterlassen. Auch wir selbst stehen nicht einfach außerhalb dieser Machtsysteme sondern sind in sie verstrickt. So wie die Geschichte von Pippi nicht frei ist von Spuren und Versatzstücken des Rassismus und der Kolonialgeschichte. Wir wollen uns nicht der Illusion hingeben uns vollständig frei vom kolonialen Erbe machen zu können, beispielsweise in dem wir eine der Heldinnen unserer Kindheit entsorgen.

Unsere politische Praxis steht eigentlich im Widerspruch dazu. Wir engagieren uns gegen Rassimus, blockieren Abschiebungen, setzen uns für den Frieden ein, indem wir an der Universität für eine Zivilklausel streiten. Wir setzten kritische Wissenschaft gegen vermeintlich objektive Wahrheiten und sind stets vorne mit dabei, wenn es darum geht AfD und Burschies zu verscheuchen. Wir setzen uns ein für eine Gesellschaft ohne Rassismus, ohne Sexismus und ohne Ausbeutung und Unterdrückung durch den Kapitalismus.

Wir befinden uns also in einem Zwiespalt. Einerseits streiten wir für eine Gesellschaft, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für freie Entwicklung aller ist. Andererseits tragen wir selbst, unser Denken und unsere Kultfiguren noch die Male der herrschenden Verhältnisse. So suchen wir aus der Verstricktheit einen Ausweg. Wir denken, dass Erinnerungskultur ein erster Schritt sein kann, denn die Kolonialgeschichte und die Vorteile daraus, die wir hier in Deutschland jeden Tag noch genießen, verschwinden nicht dadurch, dass wir die verschweigen.

In diesem Zusammenhang möchten wir gerne auf die folgenden zwei Texte hinweisen.

http://www.taz.de/!5072942/

https://heimatkunde.boell.de/2014/02/24/vermittlung-von-vorurteilen-und-stereotypen-im-kindesalter-pippi-langstrumpf-als-buch-und