Erhebliche Fehler bei der Briefwahl

Im Zuge der bereits angelaufenen Briefwahlen für die studentischen Selbstverwaltungsgremien der FSU, sind einigen Menschen Fehler in den Wahlbögen aufgefallen:

1. Der Kandidat Malte Pannemann der Emanzipatorischen Linken Liste ist ohne seinen zugehörigen Fachbereich aufgelistet. Da dies ein entscheidendes Wahlkriterium sein kann, handelt es sich hier um eine Ungleichbehandlung, die sofort behoben werden muss.

2. Der Wahlvorstand verwendet durchgehend die männlichen Formen für Pronomen und die Berwerber_innen (er spricht ausschließlich von Bewerbern). Hier werden alle Frauen und nicht-binär-geschlechtlichen Personen nicht genannt und damit ausgeschlossen und diskriminiert. Das ist untragbar in Anbetracht des großen Teils nicht-männlicher Bewerber_innen und muss sofort korrigiert werden.

Wir haben den Walhvorstand dringlichst gebeten, die oben genannten Fehler zu beseitigen und gaben zu bedenken, ob eine Wahl unter derart ungleichen Bedingungen für die Bewerber_innen noch gültig sein kann.

Daraufhin wurden vom Wahlvorstand neue Stimmzettel rausgeschickt, wo nur der erste Fehler behoben wurde. Der Wahlvorstand besteht also immer noch darauf, die nicht-männlichen Bewerber_innen zu ignorieren und schafft den männlichen Bewerbern somit einen unfairen Vorteil. Diesen Umstand nehmen wir nicht hin!

Pippis und unsere Kolonialgeschichte

Die Geschichte von Pippi Langstrumpf hat viele von uns durch ihre Kindheit begleitet. Hängen geblieben ist das Bild eines Mädchens, das keine Autorität anerkennt, nicht zur Schule geht und allein ohne Eltern lebt. Hängen geblieben ist das Bild eines Mädchens, dass super stark ist, den eigenen Wünschen nachgeht und frech gegen die eingefahrenen Lebensformen rebelliert.

Später kam die Erkenntnis, dass die Geschichte von Pippi nicht nur ein Sinnbild für das kindliche anarchische Auflehnen gegen alle Regeln und Vorschriften ist. In der Geschichte selbst wird bestehendes Unrecht reproduziert und glorifiziert. Abwertende und Diskriminierende Worte werden benutzt. Die kritische Auseinandersetzung mit den Geschichten, mit denen wir in unserer Kindheit groß geworden sind, stimmt uns nachdenklich. Der Gedanke liegt nahe Geschichten wie die von Pippi Langstrumpf auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen. Andererseits waren die anarchischen und eigensinnigen Züge der Hauptfigur auch Vorbild für uns und eine wichtige kulturelle Ressource.

Inzwischen haben wir die unbequeme Wahrheit erkannt, dass Rassismus, Sexismus und Kapitalismus keine abstrakten Dinge sind, gegenüber denen man einfach erklären kann, dass man dagegen ist. Es sind gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse, die Überall ihre Male hinterlassen. Auch wir selbst stehen nicht einfach außerhalb dieser Machtsysteme sondern sind in sie verstrickt. So wie die Geschichte von Pippi nicht frei ist von Spuren und Versatzstücken des Rassismus und der Kolonialgeschichte. Wir wollen uns nicht der Illusion hingeben uns vollständig frei vom kolonialen Erbe machen zu können, beispielsweise in dem wir eine der Heldinnen unserer Kindheit entsorgen.

Unsere politische Praxis steht eigentlich im Widerspruch dazu. Wir engagieren uns gegen Rassimus, blockieren Abschiebungen, setzen uns für den Frieden ein, indem wir an der Universität für eine Zivilklausel streiten. Wir setzten kritische Wissenschaft gegen vermeintlich objektive Wahrheiten und sind stets vorne mit dabei, wenn es darum geht AfD und Burschies zu verscheuchen. Wir setzen uns ein für eine Gesellschaft ohne Rassismus, ohne Sexismus und ohne Ausbeutung und Unterdrückung durch den Kapitalismus.

Wir befinden uns also in einem Zwiespalt. Einerseits streiten wir für eine Gesellschaft, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für freie Entwicklung aller ist. Andererseits tragen wir selbst, unser Denken und unsere Kultfiguren noch die Male der herrschenden Verhältnisse. So suchen wir aus der Verstricktheit einen Ausweg. Wir denken, dass Erinnerungskultur ein erster Schritt sein kann, denn die Kolonialgeschichte und die Vorteile daraus, die wir hier in Deutschland jeden Tag noch genießen, verschwinden nicht dadurch, dass wir die verschweigen.

In diesem Zusammenhang möchten wir gerne auf die folgenden zwei Texte hinweisen.

http://www.taz.de/!5072942/

https://heimatkunde.boell.de/2014/02/24/vermittlung-von-vorurteilen-und-stereotypen-im-kindesalter-pippi-langstrumpf-als-buch-und